"Hortus studiosus" - Nachhaltigkeit als Lehrstoff am Gymnasium

Der "Hortus studiosus" des Sonneberger Hermann-Pistor-Gymnasiums beteiligte sich in diesem Jahr an den europäischen Tagen der Parks und Gärten am zweiten Oktoberwochenende.
"Wissen, das wandert" heißt das diesjährige Motto der länderübergreifenden Veranstaltungsreihe "Rendezvous im Garten", bei welcher im letzten Jahr über 3000 Gärten in 20 Ländern teilnahmen. Mit dem Gemeinschaftsgarten am Pistor-Gymnasium Schulteil in der Dammstraße kam nun die europaweit erste Schule dazu, die beim Festival im Grünen mitmachte. Das Teilnehmerfeld setzte sich hauptsächlich aus Privatgärten, Stadtparks, Zoos, Kurparks und Biotopen zusammen. Doch auch wenn der Gemeinschaftsgarten "nur" ein Schulgarten ist, hat die Anlage doch einiges zu bieten: Biologielehrerin Gabriele Engelbrecht hat das vielseitige Grün im Schulinnenhof und auf dem Schulgelände zusammen mit ihren Schülern im praktischen Naturwissenschaft- und Technikunterricht in den letzten Jahren sorgsam gepflegt und kontinuierlich bereichert.
Der gesamte "Hortus studiosus" am Gymnasium setzt sich aus drei Säulen zusammen - Man findet den Stinsenpflanzengarten, den Naschgarten und den tierfreundlichen Garten. "In unserem Naschgarten kann man die reichen Gaben der Natur sofort kosten. Wir haben unter anderem Bestände von Himbeeren, Jochelbeeren, Schlehen, Sanddorn, Gojibeeren, Baumspinat, Feldspinat, Wilder Möhre und Mahonia. Außerdem locken viele unserer Pflanzen Insekten und Vögel an, tagaktiven und nachtaktiven Insekten stehen attraktive Blüten zur Verfügung. Wir schneiden die Blütenbestände immer erst im März ab, hinzu kommt, dass wir vertrocknete Äste dort belassen, diese bedecken dann als wertvolle Totholzbereiche den Boden", erklärt Bio-Lehrerin Engelbrecht, während sie mit ihren Zehntklässlern gerade Unterricht im Grünen macht.

Bei der Anschaffung von Gerätschaften und Materialien zur Realisierung von Vorhaben ist freilich viel Eigeninitiative gefragt. In den letzten Jahren halfen aber vor allem Spenden und Förderungen der Sybille-Abel-Stiftung, des Rotary Clubs, des Lions Clubs und der Stadtverwaltung Sonneberg im Rahmen der MINT-Förderung bei Neuanschaffungen. Stolz zeigen die Zehntklässler ihren neuen Schredder: "Da darf es auch mal ein etwas teureres Modell von Qualität sein, welches dafür ordentlich funktioniert und lange hält". Von den Spendengeldern werden dann beispielsweise neue Pflanzensetzlinge oder auch mal ein hochwertiger Spaten oder eine Heckenschere gekauft.
2017 wurden die Nachwuchsgärtner, die die Schule mittlerweile verlassen haben, mit dem Zukunftspreis "Jugend" des Landes Thüringen ausgezeichnet (1. Platz). Auf dem praxisorientierten Lehrplan von Gabriele Engelbrecht steht auch, den Schülern die Nützlichkeit von Pflanzenprodukten im Alltag näherzubringen. Experimentell verglichen die Schüler die Waschwirkung von eigens angebautem Seifenkraut und herkömmlichen Waschmittel aus dem Einkaufsregal: Das unbelassene Naturprodukt konnte überraschend gut mithalten. Ins Grüne aufbrechen und die Kraft der Natur erst zunutze machen, bevor man zu industrieller Massenware greift - Ein Ansatz der grünen Lehrphilosophie am Gymnasium, den die Schüler verinnerlichen sollen.
Seit Juni dieses Jahrs schmückt ein blühender Kompost den Bereich vor einer Eingangstür der Schule. Das neueste Projekt verwandelte eine vormals eintönige Grasfläche in einen farbenfrohen Blickfang, der gleichzeitig wichtiger Anlaufpunkt für zahlreiche Insekten ist.

Moritz Bauer
Und hier ein Video von diesem Event
Am 10. Oktober 2020 zeigten unsere Schüler, wie sie ihren Pausenhof mit Stinsenpflanzen und Insektenbeet in ein naturnahes Gelände verwandelt haben. 2017 wurden sie dafür mit dem Zukunftspreis "Jugend" des Landes Thüringen ausgezeichnet.
Vielen Dank an Herrn Paul Klemm, der für uns das folgende Youtube-Video von diesem Event erstellt und uns zur Verfügung gestellt hat.

Hier geht es zum Youtube-Video.
Das schreibt die Presse über unseren "Hortus studiosus":